»Ich und der Vater sind eins.« (Joh. 10, 30)

Der Hauptgrund, warum ich das Lied »Vaterlos im Mutterland« geschrieben habe, ist meine »Vater-Wunde«: Als ich 16 Jahre alt war, verstarb mein Vater mit 46 Jahren plötzlich und unerwartet an einem Herzinfarkt. Er war tot und verschwunden. Körperlich und emotional nicht mehr vorhanden. Unbewusst habe ich mich ab diesem Zeitpunkt an weiblichen Identifikationsfiguren orientiert. Dabei führte die fehlende »Vater-Energie« bei mir immer wieder zu Trauer und Leere. Mit den Jahren erzeugte der frühe Tod meines Vaters so etwas wie einen »Vaterhunger« in mir, ein schier unstillbares Bedürfnis nach männlicher Bestätigung und Anerkennung. Es fühlte sich an wie eine tiefe Wunde, die ich mit mir herum trug.

»Wenn dir der Vater fehlt«, so der bekannten Franziskaner-Mönch Richard Rohr, »dann fehlt dir eine Vision von deinem Leben und deinem Mann-sein. Dann traust du dir nichts zu und du bist dir über deinen Wert unsicher und weißt nicht, woran du dich halten kannst.«

Diese Gedanken kenne ich auch von mir, war mir aber immer sicher: »Nie will ich, wie mein Vater, einen Herzinfarkt erleiden und daran sterben.« Seit seinem Tod habe ich mir immer wieder diesen einen Satz, gleich einem Mantra, vorgesagt. Am 12. September 2014 war es dann aber doch passiert: Während eines Konzertes in Madrid – im Rahmen einer Europa-Tournee mit meiner damaligen Band – erlitt ich auf der Bühne einen Herzinfarkt! Es war der Tag des völligen Absturzes. Es war genau das geschehen, wovor ich so lange Zeit riesige Angst gehabt hatte. Mein altes Leben lag in Scherben. In diesem Moment begann aber auch mein neues Leben und ich ließ mich ein, auf alles was da kommen sollte.

Nach Krankenhaus und Reha, habe ich neun Monate auf einem Weingut gearbeitet, Eckhart Tolle gelesen, im Wohnwagen gelebt und mich neu kennen gelernt. Ich merkte: Ich brauche nicht mehr viel und beschloss mein Leben radikal umzukrempeln. Mittlerweile ernähre ich mich vegan, bin Mitglied bei »Extinction Rebellion«, habe mein Auto verkauft und unter meinem Namen am 26.9.2019 mein erstes Soloalbum veröffentlicht.

Die fehlende »Vater-Energie« ist seitdem verschwunden und ich verspüre eine tiefe und positive Liebe zu meinem Vater. Der Song und das Video sind ihm gewidmet. Am Drehort des Videos, bin ich als Kind mit meinem Vater manchmal spazieren gegangen.


Hier geht es zu meinem aktuellen Video »Vaterlos im Mutterland«

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