»Nie wieder«

Dieser Song ist inspiriert von dem bekannten amerikanischen Spielfilm »Das Haus der Lady Alquist«  aus dem Jahr 1944. Er basiert auf dem Theaterstück »Gas Light« des britischen Dramatikers Patrick Hamilton. Das Schauspiel erschuf den Begriff »Gaslighting«, eine Form des psychischen Missbrauchs, bei dem durch Manipulation das Vertrauen der Opfer in die eigene Wahrnehmung zerstört und infolgedessen die Psyche dieser Menschen in ihren Grundfesten erschüttert wird. Im Film und im Schauspiel geht es um die Zerstörungskraft einer manipulativen Liebesbeziehung. Darum, wenn Liebe in emotionale Abhängigkeit, Erniedrigung, Lüge und Ohnmacht umschlägt.

Jan Drees, Schriftsteller und Literaturkritiker, hat dieses Phänomen in seinem neuesten popliterarischen Roman »Sandbergs Liebe« verarbeitet, in dem er die Abgründe einer obsessiven, manischen Beziehung schildert: Ein Mann lernt über eine Dating-App eine Frau kennen, die ihm wie die Erfüllung einer langen Sehnsucht erscheint, eine Verbündete und Seelenverwandte, liebesbedürftig wie er selbst. Sie ist die Richtige. Er ist der Richtige. Kalina Mickiewicz, die Zahnärztin, und Kristian Sandberg, der Literaturagent, werden schnell ein Paar. Die Liebe seiner Freundin Kalina entpuppt sich indes nach und nach als narzisstische Eigenliebe, die den neuen Mann an ihrer Seite zerstören will: Der übel missbrauchte Romantiker auf der einen Seite, die schwarzromantische »belle dame sans merci« (John Keats) auf der anderen. Innerhalb weniger Wochen gerät Kristian in emotionale Abhängigkeit zu seiner »gefährlichen Geliebten« (Haruki Murakami), während er selbst alles nur Erdenkliche tut, um ihr seine Liebe zu beweisen. Fast unmerklich scheint diese ihm den sprichwörtlichen Boden unter den Füßen wegzuziehen. Die anfänglich euphorisch erlebte Beziehung entpuppt sich als Höllenfahrt in die Abgründe eines emotionalen Missbrauchs: »Ich (Kristian) taumle im Unfassbaren. Weshalb werde ich von meiner Freundin immer wieder unter Verdacht gestellt? Ich begreife es nicht. Mein Empfinden für sie entspricht nicht der Art, wie sie es deutet, im Gegenteil, sie wertet es um.« (Auszug aus Jan Dress: Sandbergs Liebe, Secession Verlag, 2019)

Dazu schreibt Jan Drees in seinem Literatur-Blog »Lesen mit Links«: »Sandbergs Liebe ist eine erfundene Geschichte – und doch gab es ein Erlebnis in meinem Leben, das mich beschädigt zurückgelassen hat.« Einige Absätze weiter erläutert er: »Was macht der normale, zur Empathie fähige Mensch? Er wird versuchen, seiner Partnerin Sicherheit zu geben, indem er einlenkt, argumentiert und sich entschuldigt. Er wird sie festhalten und sagen, dass alles gut wird. Er wird es immer und immer wieder tun, und dabei die Signale seines schwächer werdenden Körpers ignorieren. Er fängt vielleicht an zu zittern, bekommt Schlafstörungen, ist in ständiger Alarmbereitschaft, weil jede seiner Handlungen dazu führen kann, dass die hochsensible, sehr verletzliche Femme fragile ihre Contenance verliert. Es klingt anstrengend. Tatsächlich ist es nicht nur anstrengend; es ist die Hölle.«

Das Bild, welches ich zu meinem Lied »Nie wieder« gemalt habe, zeigt Salome, die Stieftochter des Tetrarchen Herodes aus der gleichnamigen Oper von Richard Strauss. Nachdem sie zu Herodes’ Freude den »Tanz der sieben Schleier« vollführt hatte, äußerte sie ihren Wunsch: den Kopf des Jochanaan (Johannes der Täufer) auf einer Silberschüssel. Salome nahm den Kopf entgegen und steigerte sich in einen ekstatischen Liebestaumel und sang: »Ah! Ich habe deinen Mund geküsst, Jochanaan. Ah! Ich habe ihn geküsst deinen Mund, es war ein bitterer Geschmack auf deinen Lippen.«

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