Für meine Freunde des Wuppertaler Vereins »Klimaschutz für alle e.V.« habe ich aus aktuellem Anlass ein Plakat für den Klimaschutz gestaltet.

Dazu passt aus meiner Sicht die phänomenale Rede der Sea-Watch-3-Kapitänen Carola Rakete, welche sie am 7. Oktober 2019 vor der Siegessäule in Berlin im Rahmen der »BerlinBlockieren«-Aktionen der »Extinction Rebellion« gehalten hat. Ich habe Auszüge ihrer Rede transkribiert:

(…) Der Klimazusammenbruch ist die Folge eines Entwicklungsmodells, das einem kleinen Teil dieses Planeten Wohlstand bringt aber vielen anderen jede Existenzgrundlage nimmt.

Die Zerstörung unserer Ökosysteme und die rapide Erderwärmung stellen für uns Menschen eine existenzielle Krise dar. Und nicht nur das. Sie verstärkt sich immer schneller. Schon als ich 2011 mit dem deutschen Polarforschungseisbrecher am Nordpol war, war ersichtlich, wie wenig mehrjähriges Eis dort überhaupt noch vorhanden war. Viele Wissenschaftler die schon 20 oder 30 Jahre dort forschten, konnten sich genau erinnern, Wie die zentrale Arktis früher aussah. Wenn die Trends so weiter gehen, wird der Nordpol im Sommer bald eisfrei sein und Kinder werden irgendwann mal über mich lachen, weil wir einen Eisbrecher gebraucht haben, um dorthin zu fahren. Doch das Tauen des Meereises ist nicht zum Lachen. Es löst einen Albedo Effekt aus, der das Abtauen durch die Verminderung der Refraktion noch verstärkt. Genauso verstärkt sich das Schmelzen des größten Grönlandeisschildes und des westantarktischen Eisschilds. Die Prozesse führen zu positiven Rückkopplungen im System und erwärmen die Erde weiter, in dem sie weitere, ähnliche Prozesse anstoßen.

Bei den aktuellen Trends, sieht es so aus, als würde die Erde aufgrund dieser Prozesse am Ende dieses Jahrhunderts, drei bis fünf Grad wärmer sein. Diese Kippelemente und Feedback Loops sind der Wissenschaft schon seit Jahrzehnten bekannt. Doch was heißt eine vier Grad wärmere Welt? Hans Joachim Schellnhuber, Direktor Emeritus des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), meinte schon vor Jahren, dass in einer vier Grad wärmeren Welt, vielleicht nur eine halbe Milliarden Menschen überhaupt leben können. Und der US-amerikanische NASA-Klimaforscher James E. Hansen sagt: Es wird innerhalb der folgenden Generationen keinerlei Möglichkeit geben, zum derzeitigen Klima zurückzukehren und extrem viele Spezies auf der Erde werden aussterben. Die hälfte der Erdoberfläche könnte unbewohnbar sein. Wasser und Lebensmittel nicht ausreichend verfügbar. Meeresökosysteme und Nahrungsmittelversorgung werden kollabieren. Es steht schon jetzt mehr als schlecht um unsere Welt und ihre Arten. Seit 1970 sind die Wirbeltiere um mehr als 60 Prozent zurückgegangen. Die Trends für die Zukunft sind überaus negativ. Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) sagt: Das durch Landnutzung, Übernutzung von Ressourcen und Klimaerwärmung eine Millionen Arten vom Aussterben bedroht sind. Die Arten sterben heute tausendmal so schnell wie es im Vergleich zur natürlichen erdgeschichtlichen Aussterberate normal wäre. Die Ökosysteme werden weiterhin rasant schnell für unseren Konsum zerstört. Doch genau die Natur ist es, die, wenn wir Wälder mangroven und Moore renaturieren, der Atmosphäre Treibhausgase wieder entziehen könnte. Und obwohl viele Menschen in Deutschland die Tragweite der heranrollenden Katastrophe verstanden haben, und am 20. September 2019, 1,4 Millionen Menschen in Deutschland mehr Klimaschutz gefordert haben, hat die Bundesregierung ein Klimapaket verabschiedet, was nicht im Entferntesten den Anforderungen von Paris entspricht. Und uns zum Ende des Jahrhunderts zu diesem Trend von drei bis fünf Grad Erderwärmung bringt.

Es ist mehr als Zeit, dass die Regierung die Wahrheit sagt und den ökologischen Notstand ausruft:

Die Wahrheit ist, dass unsere historischen CO2-Emissionen die vierthöchsten auf der ganzen Welt sind; höher als von ganz Afrika zusammen.

Die Wahrheit ist, dass sechs der zehn größten Kohlekraftwerke und CO2-emittenten in der EU immer noch deutsche Kohlekraftwerke sind.

Die Wahrheit ist, dass die globalen Treibhausgasemissionen seit 1990 um 60 Prozent gestiegen sind.

Die Wahrheit ist, dass unser Ressourcenverbrauch so hoch ist, dass Deutschland den Earth Overshoot Day schon am 3. Mai erreicht.

Und trotzdem hat die Bundesregierung erst gestern ihre eigenen Klimaziele erst mal wieder gesenkt, so dass sie das Abkommen von Paris verfehlen wird.

Das ist der Grund, warum wir heute hier sind. Weil nach all den jahrzehntelangen Petitionen und Demos die Untätigkeit der deutsche Regierung Menschen überall auf der Welt und zukünftige Generationen zum Tode durch unterlassene Hilfeleistung verurteilt. Und zwar genauso, wie sie es aktuell mit den Flüchtenden überall auf dem Mittelmeer tut.

Wir als Extinction Rebellion wissen um die historischen Erfahrungen vorangegangener Bewegungen. Um die langen und schwierigen Kämpfe der Anti-Apartheids-Bewegung, der Frauenrechtsbewegung, der indischen Unabhängigkeitsbewegung und vieler anderer. Wir wissen auch, dass in den letzten Tagen über zehn Prozent der Bolivianerinnen auf der Straße von Santa Cruz bessere Gesetze zum Umweltschutz gefordert haben.

Und obwohl ich selbst wirklich lieber draußen in der Natur wäre, so verstehe ich leider, dass ohne diesen friedlichen, zivilen Ungehorsam, sich in der Politik nichts bewegen wird. Deshalb bin ich hier, weil es meine moralische Verpflichtung ist, gegen diese zerstörerische Politik zu rebellieren.

Deswegen müssen wir als Extinction Rebellion diese Chance nutzen. Wir müssen hierbleiben und rebellieren bis die Regierung den ökologischen Notstand ausruft und danach handelt. Ich wiederhole hier noch einmal die Worte von Roger Hallam, einem der Mitbegründer der Extinction Rebellion, momentan in Untersuchungshaft: »Lasst diesen Moment nicht ungenutzt verstreichen.«

Carola Racketes Rede im Original:
hier (ab 42:42 Minuten)

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