Hermann Hesse

Meine Song-Texte sind von mythischen Geschichten aus der Bibel und der klassischen Antike, sowie von Autoren wie Rainer Maria Rilke, Franz Kafka, Friedrich Nietzsche, Hermann Hesse, Thomas Mann oder Milan Kundera inspiriert. Aus diesem Grund werde ich in den kommenden Wochen immer mal wieder einen dieser Schriftsteller näher betrachten. Heute widme ich mich Hermann Hesse, da ich gestern vom Suhrkamp-Verlag die Genehmigung bekommen habe, ein Zitat aus seinem Gedicht »Stufen« in meinem Song »Wisst ihr noch« zu verwenden. 



Hermann Hesse war Schriftsteller, Dichter und Maler. 1946 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Mit 85 Jahren verstarb er 1962 in seiner Heimat Montagnola, im schweizerischen Kanton Tessin. Insbesondere durch seine Prosawerke wie »Siddhartha« oder »Steppenwolf« wurde Hesse zu einem der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts. Für Hermann Hesse selber, waren vor allem seine Gedichte überaus wichtig. So schrieb er 1909 an einen befreundeten Redakteur: »Es freut mich, dass ihr meine Verse gern habt. Sie sind auch mir das Liebste; und wenn das dumme Publikum meinen Romanen mehr nachläuft, ist mir jedes gute Gedicht doch lieber als drei Romane.« Mehr als tausend Gedichte hat Hesse in sechs Jahrzehnten geschrieben. Seine Lyrik bedeutete ihm etwas ganz Privates, persönliches und »nichts Gelogenes«. Für den Journalisten und Schriftsteller Kurt Tucholsky, der selbst viele Gedichte und Lieder verfasst hatte, waren Hesses Gedichte mit Blick auf das Formale »rührend schlecht«. Thomas Mann hatte damit kein Problem und schrieb 1929: »Hesses bezaubernde Lyrik weiß eine sensitive Modernität im Laute von volkstümlicher Romantik zu kleiden.« Romain Rolland, französischer Schriftsteller und Musikkritiker, äußerte sich über die ansteckende Musikalität von Hesses Gedichten: »Sie haben Glück, dass ich nicht komponiere. Sonst könnte ich dem Wunsch nicht widerstehen, Noten unter Ihre Zeilen zu zeichnen. Alles, was sie sagen, ist einfach und geht zu Herzen.«



Was für den Tonsetzer Idee und Motiv sind, welche dann komplizierter instrumentiert, komponiert und arrangiert werden, sind für Hesse die Gedichte, deren Themen in seiner späteren Prosa dann wiederkehren. Einem Song ähnlich, antizipiert Hesses Lyrik dessen Inhalt, welcher dann in seinen Romanen und Erzählungen symphonisch orchestriert wird. An Bemühungen, Hesses Gedichte in Töne zu setzen, hat es dann auch nie gefehlt. Inzwischen wurden mehr als 4.000 Lieder nach Texten von ihm komponiert. Hesse selber hatte ein ambivalentes Verhältnis zur Vertonung seiner Lyrik: »Wenn ein Gedicht das Vertonen nötig hat, um zu wirken, dann ist es wenig wert … und wenn ein Gedicht für sich allein der Wirkung fähig ist, dann wird es immer Leser finden und auch die Versuche der Komponisten können es nicht kaputt machen.« Volker Michels, ehemaliger Lektor des Suhrkamp-Verlages und Hermann Hesse-Experte, verdichtet auf eindrückliche Weise die Arbeit des Lyrikers: »Gedichte sind für ihn Subjektives, das sich objektiviert. Musik gewordene Bilder und Erfahrungen, Bewusstsein, das mit dem Unbewussten harmoniert und unsere Sinneseindrücke auf eine magisch-präzise Weise Sprache werden lässt.«



Es liegt auf der Hand, dass auch Musiker*innen der Popkultur von Hermann Hesse geprägt worden sind. So sagte Patti Smith beispielsweise über ihn: »Er hat mich seit meiner Jugend stark beeinflusst. Seine Kraft, Energie und Vitalität waren mir immer ein Vorbild.« Udo Lindenberg war früh von ihm beeindruckt: »Hermann Hesse fing ich mit 20 an zu lesen. Das hat mich gepackt. Wie kann einer über mich schreiben, der mich nicht kennt! Hab’ ich gedacht. Die kleine Stadt, die bürgerliche Enge, der Stress in der Schule, die Suche nach Coolness, der Ausbruch.« 



Abschließend möchte ich ein Zitat von Hermann Hesse vorstellen, das mit Blick auf die Klimastreik-Bewegung „Fridays for Future″ für mich eine fast schon hellseherische Qualität hat: »Heute liegt die politische Vernunft nicht mehr dort, wo die politische Macht liegt. Es muss ein Zustrom an Intelligenz und Intuition aus nichtoffiziellen Kreisen stattfinden, wenn Katastrophen verhindert oder gemildert werden sollen. Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.«



Hier kommst Du zur Hermann Hesse-Sonderseite des Suhrkamp-Verlages.

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