Nach-Denk-Anschlag: Else Lasker-Schüler.

Vor ungefähr zwei Monaten habe ich angefangen, an der Vertonung einiger Texte der deutsch-jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler zu arbeiten. Sie wurde am 11. Februar 1869, also heute vor 151 Jahren, in Elberfeld (Wuppertal) geboren. Aus diesem Anlass möchte ich eines ihrer berühmtesten Gedichte, welches in der Zeit nach ihrer Auswanderung aus Deutschland entstanden ist, zitieren. Das Geburtshaus von Else Lasker-Schüler (Sadowastraße 7) liegt ungefähr 500 Meter von meiner Wohnung entfernt. Ich komme fast jeden Tag daran vorbei!

Mein blaues Klavier

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier
Und kenne doch keine Note.

Es steht im Dunkel der Kellertür,
Seitdem die Welt verrohte.

Es spielten Sternenhände vier
− Die Mondfrau sang im Boote −
Nun tanzen die Ratten im Geklirr.

Zerbrochen ist die Klaviatür…..
Ich beweine die blaue Tote.

Ach liebe Engel öffnet mir
− Ich aß vom bitteren Brote −
Mir lebend schon die Himmelstür −
Auch wider dem Verbote.

Else Lasker-Schülers Gedicht entstand in den ersten Jahren ihrer Emigration. Am 19. April 1933 war die bereits 64jährige Dichterin aus Berlin, wo sie seit 1894 gelebt hatte, nach Zürich geflohen, nachdem sie die Schrecken des Antisemitismus am eigenen Leibe erfahren hatte. Als antibürgerliche Künstlerin war ihre fragile Existenz im Kaiserreich und in der Weimarer Republik in Künstlerzirkeln, Freundeskreisen, durch kunstbewusste Verlage und Förderer recht und schlecht gesichert, hatte ihre literarische Produktion immer wieder Anregung erfahren. Mit der Errichtung des »Dritten Reiches« war das Reich ihrer Dichtungen, in dem sie sich und ihre Künstlerfreunde mit phantastischen Mitteln zu »Prinzen«, »Königen« und »Scheichs« erhob und so von Karl Kraus in Wien bis zu Franz Werfel in Prag einen ganzen Kreis Gleichgesinnter in ihrer Phantasiestadt »Theben« vereinte, in Deutschland endgültig zusammengebrochen. Ihre Dichtungen brannten am 10. Mai 1933 auf dem Opernplatz in Berlin, zusammen mit denen ihrer Freunde. Als im Jahre 1943 ihr letzter und einziger Gedichtband nach 1933 erscheinen konnte, trug er den Titel »Mein blaues Klavier«. Else Lasker-Schüler lebte seit Juni 1939 in Jerusalem/Palästina, nachdem sie keine Einreise mehr für die Schweiz erhalten hatte. Am 22. Januar 1945 ist sie auch hier gestorben.

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