Als der Mann auf dem Mond Mutter Erde entdeckte

»That’s one small step for a man, one giant leap for mankind.« – Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit. Dieser Satz von Neil Armstrong ist seit langem Bestandteil der kollektiven Erinnerung. Die Astronauten der Apollo 11-Mission haben vor 50 Jahren Weltgeschichte geschrieben. Im Rückblick auf dieses Schauspiel bleibt insbesondere das Foto von der am Mondhorizont untergehenden Erde im Gedächtnis. Den meisten Naturschützern gilt es als bildlicher Anfang der ökologischen Alternativbewegung: Es allegorisiert den Wunsch nach einer gesunden Mutter Erde und zeigt parallel die Winzigkeit und Verlassenheit des blauen Himmelskörpers in der Finsternis des Universums.

Der Blick auf die halbe Erdkugel bedeutete damals einen wichtigen Perspektivwechsel in Richtung Ökologie, der schon ein Jahr zuvor eingeleitet worden war. Wissenschaftler, Ökonomen, Unternehmer und Diplomaten aus aller Welt gründeten 1968 in Rom ein Netzwerk, den Club of Rome, der 1972 seinen ersten, weltweit beachteten Bericht zur Lage der Menschheit mit dem Titel »Die Grenzen des Wachstums« veröffentlichte: Eine Studie zur Weltwirtschaft mit einem düsteren Szenario für die Zukunft. Darin erklärte der US-Ökonom Dennis Meadows: »Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht.«

Heute gehen die Kinder, deren Eltern in den 60er und 70er Jahren selber noch Kinder, Schüler/innen oder Studenten/innen waren, mit ihrer globalen Klimastreik-Bewegung »Fridays for Future« auf die Straße und propagieren: »Die Klimakrise ist eine reale Bedrohung für die menschliche Zivilisation – die Bewältigung der Klimakrise ist die Hauptaufgabe des 21. Jahrhunderts. Wir fordern eine Politik, die dieser Aufgabe gerecht wird.« Auch seinerzeit gab es eine Protestbewegung, die vor allem Eltern, Lehrer/innen und Professoren/innen im Visier hatte: Die Studentenbewegung. Hier demonstrierten junge Menschen gegen verkrustete Gesellschaftsstrukturen, verstaubte Hochschulen, die große Koalition, den Vietnamkrieg und die fehlende Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit.

Es ist zu hoffen, dass »Fridays for Future« eine starke Auswirkung auf die politische Kultur und Rechtspolitik der kommenden Jahre haben wird, ähnlich wie die Proteste der 68er. Sie wurden anfänglich von großen Teilen der bürgerlichen Gesellschaft diskreditiert. Genauso wie heute die für den Klimaschutz streikenden jungen Menschen diffamiert und nicht für voll genommen werden: So wendete sich FDP-Chef Christian Lindner am 10. März 2019 via Twitter an die Demonstrierenden: »Ich finde politisches Engagement von Schülerinnen und Schülern toll. Von Kindern und Jugendlichen kann man aber nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.«

Hier geht es zur Website von »Fridays for Future«

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