50 Jahre Woodstock

Heute vor 50 Jahren, am Freitag, dem 15. August 1969, eröffnete Richie Havens die »Woodstock Music & Art Fair«. Legendär seine improvisierte Zugabe »Freedom«, die er spontan anzuspielen fing, da er seine komplette Setlist schon abgespielt hatte und die Veranstalter ihn baten, weiter zu machen, da die nachfolgenden Bands, aufgrund des Verkehrschaos, noch nicht vor Ort waren. Das Festival wurde zum Mythos einer Bewegung, die für den Frieden stand und einer normativen Gewalt den Kampf angesagt hatte.

Ich war 14 Jahre alt, als ich an einem Wochenende im Oktober, zum ersten Mal in meinem Leben, alleine mit der Eisenbahn zu meinem Onkel (dem Bruder meiner Mutter) und seiner Familie, nach Essen reisen durfte. Auf dieses Abenteuer hatte ich mich im Vorfeld schon riesig gefreut, da ich dort auch meine drei Cousins, Dirk, Gerhard und Jörg, treffen würde, die um einige Jahre älter waren als ich. Was wir im Einzelnen an diesem Wochenende gemacht hatten, weiß ich heute nicht mehr so genau. Ein Ereignis hat sich aber in mein Gedächtnis eingebrannt: Denn Sonntagvormittag, bin ich mit meinem drei Jahre älteren Vetter Jörg ins Kino gegangen. In der historischen »Lichtburg« im Stadtkern von Essen wurde der Film »Woodstock« gezeigt. Fünf Jahre nach seinem Erscheinen machte mich diese dreistündige Dokumentation über Frieden und Musik sprachlos. Danach war für mich nichts mehr so, wie es vorher war: Ich ließ mir die Haare lang wachsen und fing an Gitarre zu spielen. Ich hörte, sehr zum Leidwesen meines Vaters, mit dem Sport auf (Kunstturnen und Leichtathletik) und trieb mich stattdessen in Plattenläden herum; immer auf der Suche nach interessanter Musik. Mit 16 Jahren gründete ich schließlich meine erste Band: Die »Dead-Duck-Bluesband«. Wir interpretierten damals größtenteils Songs von »John Mayall & the Bluesbreakers«. In dieser Zeit schloss ich mich auch der »politischen Linke« an und wurde Mitglied in der »Liga gegen den Imperialismus«, deren Mitglieder*innen sich nach ihrer Auflösung in der Partei »Die Grünen« organisierten.

Lasse ich heute vor meinem geistigen Auge noch einmal den »Woodstock«-Film Revue passieren, bleibe ich an seinem Ende hängen: Am Morgen des 18. August 1969 erfüllte Jimi Hendrix die Ohren der verbliebenen Festivalbesucher*innen mit dem Wunder der Nationalhymne: »The Star-Spangled Banner«. Ein ungewöhnlicher Sound auf einer weißen Fender »Stratocaster« gespielt. Es hört sich an wie Raketen, Geschosse und Bomben, die in der Luft explodieren. Hendrix stellte mit seiner Performance in einer eindringlichen Weise so die Verbindung der friedlichen Woodstock-Versammlung, mit der Zerstörung, der Brutalität und dem Wahnsinn des damaligen Vietnamkrieges, her. Während in Vietnam hemmungslos um einzelne Anhöhen gekämpft wurde, haben sich die Besucher*innen zwischen den Hügeln von White Lake nahe der Kleinstadt Bethel (im US-Bundesstaat New York) hemmungslos geliebt.

Hier geht es zu einer Woodstock-Dokumentation
und zum original Woodstock-Film

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